Entkriminalisierung von Sexarbeit in Belgien wird konkreter

Entkriminalisierung von Sexarbeit in Belgien wird konkreter

Vortrag des belgischen Justizministers Herrn Vincent Van Quickenborne beim ESWA – European Sex Workers‘ Rights Alliance – Kongress 2022 im Europäischen Parlament, Brüssel, 13.10.2022:

Jedes Land in Europa sollte Sexarbeit entkriminalisieren.“

Danke, Sophie, danke, meine Damen und Herren. Ich danke Ihnen, dass ich heute hier sein darf, es ist ein ganz besonderer Anlass.
Ich möchte auch den Mitgliedern des Europäischen Parlaments danken, die heute hier anwesend sind. Sie sind aktiv an diesem Kampf beteiligt.
Mein Dank geht natürlich auch an Sie, Sophie, als heutige Präsidentin, an die Mitglieder der ESWA (Allianz für die Rechte der Sexarbeiter*innen), an die Doktorand*innen und Wissenschaftler*innen.

Zunächst einmal herzlich willkommen in Brüssel, im Herzen Belgiens, im Herzen Europas, aber auch in Belgien, dem ersten europäischen Land, das die Sexarbeit entkriminalisiert hat.

Ich begrüße diese Initiative, alle Sexarbeitenden zu versammeln, in welcher Form auch immer. Unabhängig von kulturellen oder gesellschaftlichen Normen ist und war es immer eine Gewissheit: Wo immer Menschen zusammenleben, gibt es Menschen, die sich dafür entschieden haben, Sexarbeiter*innen zu sein, und es gibt Menschen, die die von ihnen angebotenen Dienstleistungen nachfragen.
Was leider auch weltweit fast immer eine Gewissheit ist, ist die Scheinheiligkeit im Umgang mit der Sexarbeit.
Im besten Fall wird sie toleriert, bleibt aber verpönt und existiert in einer rechtlichen Grauzone. Im schlimmsten Fall verfolgen die Regierungen aktiv Menschen, die bloß das tun, was ein natürliches Geschehen zwischen einvernehmlich handelnden Erwachsenen ist. Bis vor kurzem bildete mein Land, Belgien, keine Ausnahme von dieser Regel. Über 27.000 Sexarbeitende sind in Belgien tätig. In Belgien wurde dies stillschweigend geduldet, unter den Teppich gekehrt in den Vierteln der Spediteure, versteckt hinter den Fassaden zwielichtiger Bars. Den Sexarbeiter*innen und ihren Kund*innen wurde der Eindruck vermittelt, dass man sich dafür schämen und nicht darüber sprechen sollte, so dass die Sexarbeiter*innen mit der sehr realen Gefahr von Missbrauch, Ausbeutung und Diskriminierung allein gelassen wurden. Sie waren nicht durch das Gesetz geschützt, ganz im Gegenteil.

Als ich vor zwei Jahren das Amt des belgischen Justizministers antrat, wollte ich, dass die Justiz schneller, humaner und effektiver wird. Und das ist der Ansatz, den wir bei der Gesetzgebung zur Sexarbeit verfolgt haben.

Erlauben Sie mir, das zu erklären: Das erste Prinzip ist schneller zu werden, was man durchaus wörtlich nehmen kann: Wir haben die Sexarbeit seit letztem Juni entkriminalisiert. Und es war keinen Moment zu früh. Die COVID19-Krise hatte einmal mehr die Schwierigkeiten der Sexarbeitenden aufgezeigt, die ohne Einkommen, ohne Arbeitslosengeld und ohne soziales Netz dastanden, während andere Berufe das alles hatten.

Mit der Einführung des neuen Sexualstrafrechts in unserem Land, das am 1. Juni in Kraft trat, wurde die Sexarbeit aus dem Strafgesetzbuch gestrichen.

Und ich bin stolz darauf, sagen zu können, dass der älteste Beruf der Welt, wie das Klischee besagt, nun der neueste geschützte Beruf in Belgien ist. Ich möchte UTSOPI, der belgischen Interessenvertretung der Sexarbeiter*innen, dafür danken, dass sie mit uns daran gearbeitet hat. Ihrem Rat ist es zu verdanken, dass wir uns nicht für die Legalisierung, sondern für die Entkriminalisierung von Sexarbeit entschieden haben. Denn die Entkriminalisierung sorgt dafür, dass selbständige Sexarbeitende einfach unter das normale Arbeitsrecht fallen. Die Legalisierung funktioniert unserer Meinung nach nicht, weil sie spezifische Regeln und Vorschriften für einen Sektor erfordert. Und so widersinnig es auch erscheinen mag, die Erfahrungen in anderen Ländern haben gezeigt, dass dies dazu führt, dass zu viele Sexarbeiter*innen in der Illegalität bleiben. Denn diese Regeln schaffen zusätzliche Hindernisse. Die Legalisierung, so gut sie in verschiedenen Ländern auch gemeint sein mag, beginnt auf dem falschen Fuß: Sie sagt den Sexarbeiter*innen, dass sie außerhalb der Legalität stehen. Aber wenn sie sich an bestimmte Regeln halten, können sie den Schutz unseres Gesetzes genießen. Die Entkriminalisierung hingegen kehrt dieses Paradigma um. Sexarbeiter*innen genießen immer den vollen Schutz des Gesetzes, es sind immer nur  Missbrauch und Ausbeutung von Sexarbeiter*innen, die außerhalb des Gesetzes stehen.

Das bringt mich zum zweiten Leitprinzip: Die Justiz muss menschlicher werden. Wir haben die Arbeit von Sexarbeitern aus der Illegalität geholt und ihnen die gleichen sozialen Rechte wie allen anderen Erwerbstätigen in unserem Land gegeben. Wir geben ihnen die Anerkennung, die sie schon immer verdient haben: Das ist der einzig humane Ansatz.
Seit der Streichung der Sexarbeit aus dem Strafgesetzbuch können Sexarbeiter*innen in unserem Land endlich legale Verträge mit einer Bank, einem Steuerberater, einem Fahrer, einem Anwalt, einem Vermieter abschließen, denn nach dem alten Strafrecht liefen diese Personen, die ich erwähnt habe, formell Gefahr, strafrechtlich verfolgt zu werden, weil sie Sexarbeit ermöglichten und davon profitierten.
Heute sind Sexarbeiter*innen geschützt, und sie können sexuelle Dienstleistungen auf selbständiger Basis anbieten. Das Gesetz sieht auch vor, dass Sexarbeiter*innen einen Arbeitsvertrag abschließen können. Aufgrund der Natur des belgischen Arbeitsrechts bedeutet dies aber, dass ein Sozialstatut für Sexarbeiter*innen als Arbeitnehmer*innen entwickelt werden muss, so wie es auch für jeden anderen Beruf notwendig ist.

Was ich will, ist die Transparenz der gleichen Rechte für Sexarbeiter*innen wie für alle anderen Arbeitnehmer*innen in unserem Land und in Europa, ein anständiger Lohn, eine Obergrenze für die Wochenarbeitszeit, Gewerkschaften, Streikrecht, Mutterschaftsurlaub und vieles mehr. Das sind alles Dinge, die für jeden anderen Arbeitnehmer in Belgien selbstverständlich sind, die es aber für Sexarbeiter*innen noch nicht gibt. Dies fällt in den Zuständigkeitsbereich meiner beiden Kollegen, des Arbeitsministers Pierre-Yves Dermagne von der Sozialistischen Partei und des Ministers für Selbstständige, David Clarinval von der frankophonen Liberalen Partei. Und beide haben meine volle Unterstützung bei der Verwirklichung dieses Vorhabens.

Ende dieses Monats werden sich unsere Kabinette dazu erneut treffen. Mit Ihrem Druck und Ihrem Tempo sollte dies natürlich so schnell wie möglich realisiert werden. Natürlich bin ich gespannt auf Ihre Empfehlungen zum Sozialstatut für SexarbeiterInnen, das ist mir wichtig.

Und dann der dritte Grundsatz, eine Justiz, die effektiver wird:
80 % der Sexarbeiterinnen in Belgien tun dies aus freien Stücken – 80 %, 80 %!
Aber wir dürfen nicht vergessen, dass einige Frauen und manchmal auch Männer zur Sexarbeit gezwungen werden. Denken Sie an die Opfer des Menschenhandels oder an Minderjährige. Aus diesem Grund stellt das neue Strafgesetzbuch den Missbrauch und die Ausbeutung von Sexarbeit, die Arbeit von Minderjährigen und die erzwungene Sexarbeit (Zwangsprostitution) klar als Straftaten dar. Glücklicherweise macht die Entkriminalisierung unsere Gesetze effektiver bei der Verfolgung von Personen, die Sexarbeiter*innen ausbeuten. Durch die Beseitigung der Grauzone wird die Unterscheidung zwischen Schwarz und Weiß klarer. Und Straftaten wie Missbrauch, Menschenhandel und Prostitution von Minderjährigen lassen sich viel leichter aufdecken und geben den Opfern, unseren Zeugen, die Möglichkeit, diese Verbrechen anzuzeigen.

Das haben wir in Neuseeland erlebt, denn als die Sexarbeiter*innen entkriminalisiert wurden, hatten sie den Mut, sich an die Polizei zu wenden, und die Polizei in Neuseeland ist heute Partner der Sexarbeiterinnen. … Wir haben der föderalen Polizei in unserem Land mehr Polizisten zur Verfügung gestellt, speziell für diesen Zweck. Wir haben zusätzliche Mittel für die drei Zentren bereitgestellt, die Opfern von Missbrauch in der Sexarbeit helfen und sie beherbergen. Denn die Grauzone ist der Ort, an dem sich Kriminelle wohlfühlen. Und indem wir Sexarbeiter*innen, die sich für diesen Beruf entscheiden, als freie Erwachsene anerkennen und respektieren, können wir gegen die Kriminellen vorgehen, die Sexarbeiter*innen ausbeuten.

Meine Damen und Herren, lassen Sie mich ganz klar sagen: Jedes Land in Europa sollte Sexarbeit entkriminalisieren.
In jedem Land in Europa und in jedem Land der Welt gibt es Tausende und Abertausende von Sexarbeiter*innen. Gesetze, die sie in Gefahr bringen, Gesetze, die ihnen das Gefühl vermitteln, dass sie sich dafür schämen müssen, wer sie sind, haben in einer zivilisierten Gesellschaft nichts zu suchen. Sexarbeiter*innen sind Menschen mit ganz normalen und erfüllenden Berufen, sie verdienen überall gleichen Schutz. Lassen Sie uns diese Botschaft in der ganzen Welt verbreiten, angefangen bei der Europäischen Union. Deshalb ist dieses Europäische Parlament vielleicht der geeignetste Ort dafür. Ich fordere hiermit alle hier anwesenden Abgeordneten auf, dieses Anliegen nachdrücklich zu unterstützen, damit die Europäische Union ein Ort sein kann, an dem Sexarbeiter*innen erhobenen Hauptes dastehen und stolz darauf sein können, wer sie sind, ohne eine Strafverfolgung fürchten zu müssen und den vollen Schutz des Gesetzes genießen. Ich bin sicher, dass dieser Tag kommen wird. Und Sie können sich darauf verlassen, dass ich dafür sorge, dass er eher früher als später kommt. Ich danke Ihnen!


Nachfrage von Sophie Int’l Veld:
Ich danke Ihnen vielmals. Ich denke, der Beifall sagt alles. Ich denke, der belgische Ansatz ist in jeder Hinsicht vorbildlich. Ich freue mich auch sehr darüber, dass dieser ganze Prozess in sehr enger Absprache mit den Betroffenen durchgeführt worden ist. Denn das ist eines der Dinge, die mich immer stören: wenn man über Sexarbeiter*innen spricht, dann spricht man *über* Sexarbeiter*innen; ich sage immer, warum sprechen wir nicht *mit* ihnen? Die Leute können selber sagen, was sie brauchen, was sie wollen, sie können ihre Ansichten kundtun, wie Sabrina es schon sehr eloquent getan hat. Und Sie haben auch die Heuchelei erwähnt: Gerade in diesen Tagen ist es unerträglich, dass die gleichen Leute, die meinen, dass Sexarbeit kriminalisiert werden sollte, es für in Ordnung halten, mit dem Kriegsverbrecher im Kreml Geschäfte zu machen. (Beifall.) Ich meine, wenn es einen echten Verbrecher gibt, wer von beiden ist dann wirklich unmoralisch? Okay, vielen Dank für diesen Beitrag.

Vincent Van Quickenborne:
Ich muss jetzt ins belgische Parlament …

Sophie Int’l Veld:
Sie müssen ins belgische Parlament gehen, ok, aber ich denke, wir verzeihen Ihnen, denn Ihr Beitrag war großartig, und ich denke, Sie können auf unsere Unterstützung zählen. Ich meine, seien wir ehrlich: Es liegt noch ein langer Weg vor uns, auch im Europäischen Parlament. Aber wenn ich mir die heutige Veranstaltung anschaue und sie mit der allerersten vergleiche, die wir vor vielen Jahren zu diesem Thema organisiert haben, als wir eine sehr kleine Gruppe von Leuten hatten und viel Kritik einstecken mussten, dann hat sich etwas verändert. Und ich denke, Sie haben bewiesen, dass es sich ändern kann. Belgien geht mit gutem Beispiel voran, und wir werden unser Möglichstes tun, um sicherzustellen, dass andere Teile Europas folgen werden.

Vincent Van Quickenborne:
Gibt es Pläne für eine europäische Resolution, die eine Entkriminalisierung der Sexarbeit in Europa fordert?

Sophie Int’l Veld:
Nun, es gibt Pläne für eine Resolution, und wenn es nach uns geht, dann wird sie eine Entkriminalisierung fordern. Wir werden sehr, sehr hart arbeiten, um eine Mehrheit zu bekommen, aber es wird ein heiß umstrittenes Thema sein, da bin ich mir sicher.

Vincent Van Quickenborne:
Glauben Sie nicht, dass es im Europäischen Parlament eine Mehrheit für dieses Anliegen geben könnte? Nein?

Sophie Int’l Veld:
Wenn Sie uns heute fragen … aber wir werden mit jedem einzelnen unserer Kollegen sprechen und versuchen, sie zu überzeugen. Wie ich schon sagte: Sie wissen, dass wir vor langer Zeit angefangen haben, und damals war das Thema tabu. Jetzt haben wir einen Raum voller Menschen, wir haben vier verschiedene Fraktionen aus dem Europäischen Parlament hier vertreten. Die Zeit wird kommen und wir werden es so schnell wie möglich tun.

Vincent Van Quickenborne:
Nun, wenn Belgien Anfang 2024 Präsident des Europäischen Rates sein wird, habe ich als Justizminister jedenfalls vor, das auf die Tagesordnung eines informellen Rates zu bringen, zum ersten Mal.

Sophie Int’l Veld:
Wow! (Großer Beifall.)

Vincent Van Quickenborne:
Ich werde meine Amtskollegen, und es sind insgesamt 27, aus allen europäischen Ländern, bitten, vorzutreten und laut und deutlich zu sagen, was sie darüber denken. Denn ich bin überzeugt, dass viele von ihnen, nicht alle, aber viele von ihnen, diese Initiative begrüßen werden, wenn sie persönlich mit ihnen sprechen, dessen bin ich mir sicher. Lassen Sie uns also diese Bewegung aus dem Europäischen Parlament heraus starten, um alle europäischen Länder zu überzeugen, sich zu ändern und das zu tun, was wir tun. Ich danke Ihnen!

Belgien will sich europaweit für die Entkriminalisierung von Sexarbeit einsetzen!

Originalaufnahme -> ab ca. 1Std 57 -> https://www.youtube.com/watch?v=s8mrc3ibHHs

Belgien entkriminalisiert Prostitution

Belgien entkriminalisiert Prostitution

Belgien entkriminalisiert die Prostitution und ist damit das erste europäische Land, das dies tut.

Damit ist Belgien einen neuen Weg gegangen, weg von starken Regulationen (wie z. B. in Griechenland und Deutschland) oder einem Verbot des Sexkaufes und der Bestrafung von Kunden (wie z. B. in Schweden und Norwegen).

In Belgien ist nun der Verkauf von Sex, die Bezahlung und die Zusammenarbeit mit Sexarbeiter*innen offiziell entkriminalisiert (und ist nicht mehr Bestandteil des Strafgesetzbuches). Damit wird es möglich, Kredite zu erhalten oder auch Sozialleistungen. Auch die Zusammenarbeit mit anderen, wie Buchhalter und Fahrer, wird nicht mehr kriminalisiert.

UTSOPI ist die belgische Sexarbeiter*innen-Organisation. Sie sagte in einer ausführlichen Erklärung: „Diese Reform ist der Höhepunkt eines Kampfes, den wir, Sexarbeiterinnen, seit 30 Jahren in unserem Land führen.  Dieser Kampf findet nicht nur hier statt: Auf der ganzen Welt kämpfen Hunderttausende Sexarbeiterinnen für das, was wir hier und jetzt bekommen. Dies ist eine Reform, die einem kontraproduktiven Diskurs der Viktimisierung ein Ende setzt, der Sexarbeiter*innen nur weiter stigmatisiert und sie von anderen abhängig macht.»

Sie forderten Rechte und konnten sich endlich durchsetzen. Der Erfolg der belgischen Kolleg*innen beruhte auch auf der Tatsache, dass sie im Gesetzgebungsprozess angehört wurden, also mitreden durften!

Dieser Erfolg muss uns tragen und motivieren, auch in Deutschland endlich einen Schritt weiterzukommen hin zur Gleichberechtigung mit anderen Gewerben. Hier haben wir große Erwartungen an die neue Regierung und fordern nach wie vor einen Runden Tisch Prostitution auf Bundesebene. Belgien hat es vorgemacht. Das sollten wir in Deutschland doch auch hinkriegen!

Presseberichte:

https://reason.com/2022/03/23/belgium-decriminalizes-prostitution/

https://www.vrt.be/vrtnws/de/2022/03/18/belgien-ist-das-erste-land-in-europa-in-dem-prostitution-aus-de/

https://brf.be/national/1585802/

 

24. 08. 2020: Von Europa lernen……………..

24. 08. 2020: Von Europa lernen……………..

Seit dem 06. Juni (bzw. 01. Juli) sind die Bordelle in unseren Nachbarländern Holland, Belgien, Schweiz, Österreich, Tschechin und Griechenland wieder geöffnet – alle sexuellen Dienstleistungen sind dort erlaubt. Es liegen also Erfahrungen von mehr als 2 Monaten vor.

Die Meldungen bestätigen:

  • die Geschäfte laufen schleppend an und erreichen vielleicht 20 % der Umsätze der Vor-Corona-Zeiten,
  • Corona-Schutzmaßnahmen sind – mit wenigen Mühen – umsetzbar,
  • sexuelle Dienstleistungen sind mit Mund-Nasenschutz durchzuführen,
  • die Kunden geben anstandslos ihre Kontaktdaten an,
  • bisher wurden keinerlei Infektionen in Bordellen oder aus ihnen heraus gemeldet.

Aus der Schweiz liegt sogar eine erste Untersuchung vor. So hieß es in einer Pressemeldung vom 02. 08. 2020: COVID-19: Bisher keine Ansteckungen in Sex-Clubs bekannt
Und weiter: „Diese Woche hat das Bundesamt für Gesundheit „BAG“ erste Zahlen zu bekannten Ansteckungsorten veröffentlicht. Für die Rotlicht Branche sind es gute News. Trotz Befürchtungen aus gewissen Kreisen, Erotikbetriebe würden die Verbreitung des Coronavirus begünstigen, weiss man heute, dass dies nicht der Fall ist. Im Gegenteil: Die aktuellen Zahlen, welche durch die kantonalen Contact-Tracer beim BAG eingingen, zeigen keinen einzigen Fall, der auf einen Sexclub zurückzuführen ist. Auch andere Orte mit engem Körperkontakt, wie Massagestudios oder Coiffeursalons, scheinen keinen nennenswerten Einfluss auf die Zahlen der Neuansteckungen zu haben.“ (https://www.lustmap.ch/de/news/covid-19-bisher-keine-ansteckungen-in-sex-clubs-20/?fbclid=IwAR1bmI7ErxUDoL_DKZpIZtNYipmw_PFmmUG6EzBzTSA4MoMEUTzkSXlGA3g)

  • Seit dem 16. 07. öffnen bayerische Städte ebenfalls wieder die Bordelle, wenn diese ein Corona-Hygienekonzept vorliegen haben und wenn sie einen 1 : 1 Kontakt zwischen einer (1) Sexarbeiter*in und einer (1) Kund*in sicherstellen können.
  • Ähnlich sieht es in Berlin aus: ab 08. 08. zunächst nur für erotische Massagen und BSDM-Praktiken. Ab 01. 09. sind alle sexuellen Dienstleistungen – unter Corona-Schutzmaßnahmen – erlaubt.
  • Saarland hat die Bordelle ab 06. 08. geöffnet und Thüringen ist dem gefolgt zum 20. 08.


Wir fordern: Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt folgt den positiven Beispielen und öffnet sofort die Bordelle!

Sexarbeiter*innen und Bordellbetreiber*innen haben die gleichen Rechte wie andere Erwerbstätigen und andere Branchen. Wir sind zudem erwiesenermaßen seit Jahrzehnten die Experten in Sachen Gesundheit und Hygiene. Auch uns ist der Schutz vor einer Ansteckung mit Covid19 wichtig.

Wir fordern Gleichbehandlung und Verhältnismäßigkeit.

Eine längere Schließung der Bordelle hat mit der Pandemie nichts zu tun!

Österreich öffnet die Bordelle zum 01. 07. 2020

Österreich öffnet die Bordelle zum 01. 07. 2020

Österreich – und auch Holland – folgen dem Beispiel der Schweiz, Belgien und Griechenland. So ist Deutschland bald gut umzingelt von Ländern, die mit der Prostitution und den Bordelle in Corona-Zeiten anders umgehen. Unmoralischer. Sachlicher. Unaufgeregter. Entschlossener.

Interessant ist auch, dass all diese Länder alle Arten von sexuellen Dienstleitungen mit einem Schlag erlauben, die Verantwortung für die Gesundheit jeder Person selbst zutrauen und vor allen Dingen wissen, welchen hohen Stellenwert die Sexualität – auch in der Sexarbeit – für die Menschen haben und den negativen Corona-Folgeerscheinungen gut entgegen treten lassen.

Das Österreichische Hygienekonzept:

Empfehlungen für die Sexarbeit
Diese Empfehlung bezieht sich auf Personen, die in der Sexarbeit tätig sind bzw. deren KlientInnen. Die jeweils geltenden allgemeinen Vorgaben für die Bevölkerung zum Selbst- und Fremdschutz vor einer SARS-CoV-2-Infektion sind einzuhalten (https://www.sozialministerium.at/Informationen-zum-Coronavirus.html).
Stand 23.06.2020 (mehr …)

Sexkaufverbot

Respekt statt Repression

Prostitutionsgegner*innen, wozu zunehmend Bundestagsabgeordnete der CDU/CSU und SPD gehören, behaupten, dass ein sog. Sexkauf-Verbot Menschenhandel in die Prostitution sowie Ausbeutung und Gewalt in der Prostitution verhindern würde. Ab 15. Oktober 2019 arbeitet dazu sogar ein parlamentarischer Arbeitskreis „Prostitution – wohin?“ im Bundestag. Dabei beziehen sie sich auf die angeblichen Erfahrungen mit dem schon seit 20 Jahren bestehenden sog. Schwedischen Modell.

Ja, in Schweden (und anderen Ländern) ist der „Kauf von sexuellen Dienstleistungen“ verboten. Die Kunden werden mit einem Bußgeld oder Gefängnis bestraft und ggf. werden der Arbeitgeber und die Ehefrau per Brief informiert. Sexarbeiter*innen dagegen werden nicht bestraft.

Die Folge dieser Regelungen ist, dass es keine geschützten Arbeitsplätze für Sexarbeiter*innen mehr gibt. Sie gehen Risiken ein, sie müssen sich mit Kunden an dunklen Ecken treffen, denn sie wollen und können den Job nicht aufgeben. Die Arbeit ist extrem unsicher, stressig und auch gefährlich geworden. Natürlich gibt es keine Alternativangebote für Sexarbeiter*innen, die aussteigen wollen.

Das Schwedische Modell hat eine Wolke des Schweigens über die Menschen ausgebreitet. Nur unter vorgehaltener Hand sind sie bereit, offen ihre Meinung zur Sexarbeit zu äußern.

Schauen wir uns solch ein Verbot mal aus einer anderen Perspektive an:
Bzgl. der Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie (oder den Saisonarbeiten in der Landwirtschaft) schrecken immer mal wieder Medienberichterstattungen die breite Öffentlichkeit auf. Dann heißt es z. B: „katastrophale Arbeitsbedingungen, unhygienische Verhältnisse, unzureichende Arbeitskleidung, miese Bezahlung und sogar Betrug gegenüber dem Sozialstaat, weil keine Sozialabgaben abgeführt werden, sondern über Subunternehmen selbstständige Erwerbstätigkeiten unterstellt werden, etc. Schnell wird dann der Bogen zur Klima-Frage geschlagen, denn zu viel Fleischverzehr führe zur Belastung der Böden und zu Monokulturen, weil die Tiere mit Soja gefüttert werden müssen, etc.

Aber niemand käme auf die Idee, die Fleischindustrie oder das Fleisch essen an sich zu verbieten. Selbstverständlich werden Rahmenbedingungen festgelegt und die Einhaltung von Gesetzen gefordert. Und diese wird dann vom Staat überprüft.

Nur in der Sexindustrie wollen die Prostitutionsgegner*innen die Zwangskeule schwingen. Als wenn das den Sexarbeiter*innen überhaupt was Positives bringen würde!

Vor allem müssen einmal folgende Fragen gestellt werden: Würde die Bekämpfung des Menschenhandels an sich nicht die effektivere und gezieltere Herangehensweise sein, wenn man Menschenhandel bekämpfen will? Wäre es nicht sinnvoll, die Mafia, Clans und dahinterstehenden Organisationen zu bekämpfen und deren Strukturen und Infrastruktur zu zerschlagen, anstatt ein Teil der Menschen die deren Opfer sind zu stigmatisieren und deren Leben zu erschweren, ja sogar vielen von ihnen die Existenzgrundlage zu entziehen – die Opfer noch mehr zu Opfern zu machen, anstatt ihnen zu helfen?

Wir sagen: Only rights can stop the wrongs!

Vielfältige Studien bestätigen die Unsinnigkeit dieses Schwedischen Modells, das manches Mal auch Nordisches Modell genannt wird.
Pressespiegel zum Thema „Sexkaufverbot“.

Wir empfehlen auch zur weiteren Lektüre – die Liste wird kontinuierlich ergänzt:

Schlagwort: Belgien