Luise B. wurde während des 2. Weltkrieges gezwungen, in einem KZ als Zwangsprostituierte zu arbeiten. In Krefeld wurde am 17. 12. 2025 zur Erinnerung an sie ein Stolperstein verlegt – der erste europaweite Stolperstein für eine Zwangsprostituierte.
Luise B. lebte an der Dreikönigenstraße 98 in der Krefelder Innenstadt. Ihr war vorgeworfen worden, nicht zu einer regelmäßigen Kontrolle wegen eines Trippers zur Behörde gekommen zu sein. Allein wegen der Erkrankung galt sie als hwg-Person = eine Person mit häufig wechselnden Geschlechtspartnern, wozu automatisch alle weiblichen Prostituierten gezählt wurden. Die nicht durchführte Kontrolle galt als Straftatbestand, weswegen sie dann verhaftet wurde. Nach ihrer Inhaftierung in das Konzentrationslager Ravensbrück wurde sie am 2. Juli 1943 mit 15 anderen Frauen in das Konzentrationslager Buchenwald überstellt. Sie war zu diesem Zeitpunkt 23 Jahre alt. Hier musste sie im Lager-Bordell den anderen KZ-Insassen für sexuelle Dienstleistungen zur Verfügung stehen. Nach 18 Monaten im Lagerbordell wurde sie am 9. Januar 1945 aus der KZ-Haft entlassen. Ihr weiteres Schicksal ist unbekannt.
Bemerkenswert ist die Verlegung dieses ersten Stolpersteins an eine Zwangsprostituierte. Denn bisher wurde – fast immer – verleugnet/übersehen/unbeachtet gelassen, dass es Bordelle in den Konzentrationslagern gab und dass Frauen hier zu sexuellen Handlungen gezwungen wurden. So sind leider auch viele historische Belege und detaillierte Informationen verloren gegangen. Ist es die allgemeine Moral „Da spricht man nicht drüber“, ist es eine Abwertung der Prostitution an sich „Es sind ja nur Frauen/Prostituierte“, die Scham „Das war ein so großes Leid, dass will frau/man schnell vergessen“ – oder – oder – oder?
Jedenfalls haben die Nazis unterschiedliche Frauen gezwungen, in den KZ-Bordellen zu arbeiten:
– das waren einmal hwg-Personen/Prostituierte, die schon vorher dem Job nachgegangen waren und einfach von der Straße weg gezwungen wurden,
– und aus der Gruppe der KZ-Insassen wurden Frauen ausgesucht und in die KZ-Bordelle verbracht.
Es ging immer darum, bestimmten Männern einen Extrabonus zu bieten, z. B. zur Steigerung der Arbeitskraft oder um sie für die „Aufrechterhaltung der Ordnung“, also die Unterdrückung der anderen Insassen zu belohnen. Aber auch für die Nazis, die Aufseher, die Peiniger mussten sie z. T. ran.
Die Nazis hatten schnell erkannt, wie wichtig Sexualität ist – in ihren eigenen Reihen und unter den verfolgten Juden, Sinti und Roma, und den anderen verfolgten Gruppen.
So spät wie jetzt der erste Stolperstein an die Zwangs-Prostituierte Luise B. und damit stellvertretend für diese Gruppe der Zwangs-Prostituierten erinnert, so überschaubar ist die historische Aufarbeitung und Dokumentation – ganz zu schweigen von einem Mahnmal für sie. Der Kölner Künstler Günter Demnig und seine herausragende Initiative haben wohl noch einen langen Weg vor sich.

