Bravo! Nun hat sich die Partei Die Linke erneut eindeutig an die Seite der Sexarbeiter*innen und gegen die Einführung des sog. Nordischen Models gestellt.
Beim Bundesparteitag vom 19. bis 21. 06. 2026 in Potsdam wurden zwei Anträge am 21.06.2026 mit Mehrheit (über 80 %) angenommen:
1. Solidarität mit Sexarbeiter*innen, für Rechte und Sichtbarkeit − Gegen Patriarchat, staatliche Repression und Menschenhandel
https://www.die-linke.de/partei/parteidemokratie/parteitag/potsdamer-parteitag/potsdamer-parteitag/beschluesse/detail/news/solidaritaet-mit-sexarbeiterinnen/
Hier heißt es u. a.:
……“Die Linke lehnt das sogenannte „Nordische Modell“ (Sexkaufverbot) als Regulierungsansatz für Sexarbeit ab.“…..
…..“Wenn es Regelungsbedarf gibt, muss er sich auf die Stärkung der Rechte und eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Prostituierten beziehen, die ihre sexuelle Selbstbestimmung garantieren.“….
….“Staatliche Repression − in Form von Sperrgebieten, Polizei- und Zollkontrollen, gesundheitsrechtlichen Sonderauflagen und aufenthaltsrechtlicher Überwachung − multipliziert patriarchale Macht. Sie diszipliniert Körper und Sexualität, statt Gewalt zu bekämpfen. Ein „Sexkaufverbot“ fügt sich nahtlos in diese Logik ein: Es kriminalisiert indirekt Sexarbeiter*innen, entzieht ihnen Handlungsspielräume und erhöht das Gewaltpotenzial durch Unsichtbarkeit.“….
….“Ein konsequenter queerfeministischer und linker Ansatz stellt sich dem entgegen. Er erkennt an, dass Sexarbeit in unterschiedlichen Formen existiert und dass Selbstbestimmung unter ungleichen Bedingungen immer widersprüchlich ist. Er setzt nicht auf Moralisierung, Verbote oder Kontrolle, sondern auf Rechte, soziale Absicherung, Schutz, Selbstorganisation und reale Alternativen. Wir erkennen Sexarbeit als Arbeit an, jedoch wird dieser in den meisten Fällen als notwendige Überlebensstrategie nachgegangen. Daraus folgt, dass die Politik in der Verantwortung ist, Arbeits- und Lebensbedingungen von Sexarbeiter*innen zu verbessern.“….
2. Solidarische Antworten auf Ausbeutung in der Sexarbeit
https://www.die-linke.de/partei/parteidemokratie/parteitag/potsdamer-parteitag/potsdamer-parteitag/beschluesse/detail/news/solidarische-antworten-auf-ausbeutung-in-der-sexarbeit/
…..“Zugleich lehnt sie pauschale Zuschreibungen, moralische Verurteilungen sowie Eingriffe in die Privatsphäre von Mitgliedern ab.“….
Hier stellt sie sich klar gegen die Forderung, dass linke Genossen bei Inanspruchnahme von sexuellen Dienstleistungen aus der Partei ausgeschlossen werden müssten.
Die Linke verfolgt damit einen emanzipatorischen und regulierenden Ansatz: Anstatt die Prostitution gesetzlich zu verbieten oder in die Illegalität zu drängen (was laut Partei die Schutzlosigkeit der Frauen erhöhen würde), fordert sie den Ausbau von Arbeitsrechten, besseren Schutz vor Gewalt sowie den Ausbau von freiwilligen, gut finanzierten Ausstiegshilfen für diejenigen, die die Branche verlassen möchten.
Vorausgegangen war ein heftiger Streit quer durch die linken Ortsverbände, mit vielen Info-Veranstaltungen und vor allem dem starken Engagement der Gruppe „Linke für Selbstbestimmung„, die vor allem mit Daten, Fakten und dem Erfahrungsschatz von Sexarbeiter*innen gegen die ständig wiederholten Mythen und Klischees der Sexkaufgegner*innen angetreten sind.
Frage: Warum fällt es den Gegner*innen von Sexarbeit so schwer, mit uns zu reden und unsere Expertise anzuerkennen und auf unsere Forderungen einzugehen? Ist es „nur“ ihre konservative, ewig gestrige Einstellung zu Sexualität? Ist es Paternalismus und Machtgebahren?

Hier sind weitere Erläuterungen zu den Bundesparteitagsbeschlüssen der Linken zu finden: https://linke-fuer-selbstbestimmung.de/die-linke-beschluss-solidaritaet-mit-sexarbeiter-innen


