21. November 2018 – Blamage für Berliner Polizei

WELT.de
berichtete und viele andere Medien schlossen sich an:
„Grossbordell: Es wird keinen Prozess gegen das Artemis geben.“

Das Gericht weist die Anklage ab. Diese Neuigkeiten aus Berlin überraschte uns nicht. Skeptisch beobachteten wir von Anfang an das Geschehen: von der Großrazzia mit stundenlanger Straßensperrung mit mehr als 900 Beamten über die erstaunliche Pressekonferenz schon am nächsten Tag bis hin zu den Vorwürfen, die sich Schritt für Schritt in Luft auflösten (es waren doch so durchschaubare Behauptungen: Menschenhandel, Ausbeutung, Steuer- und Sozialbetrug).
Welch ein Aufwand – kann man da noch von Verhältnismäßigkeit sprechen?

Und natürlich wurde die gesamte Branche ebenfalls mit dem General-Verdacht konfrontiert: „Da sehe man mal wieder: nur Kriminalität. Die Polizei müsse nur genauer hinschauen. Dann würde man dies auch bei dem Rest der Bordelle bestätigt finden.“

Die Affäre um das Artemis ist nun so gut wie vorbei. Es wird keinen Prozess geben. Alle Anschuldigungen haben sich in Luft aufgelöst. Die Beschuldigten verlangen Entschädigung und haben schon alles Beschlagnahmte zurückerhalten.

Interessant ist dann noch der Kommentar der Polizei:

„Innerhalb der Berliner Polizei wird die Angelegenheit im Nachgang ebenfalls kritisch gesehen. „Zu dieser Durchsuchung hätte es bei der Beweislage nie kommen dürfen. Das Ansehen und die Glaubhaftigkeit der Hauptstadtsicherheitsbehörden ist stark beschädigt“, sagt ein Beamter.“

Und das Berliner Landgericht stellte fest, dass im Artemis alles mit rechten Dingen zugeht.

Aber vielleicht ging es den beteiligten Behörden ja nicht um das Artemis. Vielleicht diente die gesamte Aktion am 14. 04. 2016 – kurz vor der Verabschiedung des ProstSchG – der Unterstützung der Prostitutionsgegner und dem Aufbau eines gesellschaftlichen Klimas gegen die Sexarbeit im Ganzen. Auf jeden Fall haben wir alle den negativen Wind zu spüren bekommen. Immer wieder wurde uns vorgeworfen: „Wenn die Polizei bei dem Artemis schon solch eine große Razzia durchführt, dann liegt da auch was im Argen. Und wie gefährlich muss es dort sein? Und dann wird es in den anderen Bordellen auch schlimm sein.“

Hauptsache die Medien hatten ihre Schlagzeilen, die Beamten ihre Arbeit und der Bürger_in kann sich beruhigt zurücklehnen!?

Nee, falsch ist falsch und bleibt falsch. Und dies hat auch nichts mit der Realität zu tun. Alle sollten sich mit der Prostitutionsbranche in ihrer Vielfältigkeit genauer auseinandersetzen und sich ein eigenes, unverfälschtes Urteil bilden.

Welt

Es wird keinen Prozess gegen das „Artemis“ geben….. mehr

21.11.2018 von Michael Behrendt

Berliner Morgenpost

POLIZEIERMITTLUNGEN

Bordellbesitzer des „Artemis“ wollen Schadenersatz
Die Bordellbetreiber kamen nach einer Groß-Razzia vor zwei Jahren in Untersuchungshaft. Die Ermittlungen verliefen im Sande….mehr
22.11.2018 Hans H. Nibbrig

Der Tagesspiegel

Hinter den Kulissen des Berliner Großbordells

Die Akte Artemis
Zuhälterei? Menschenhandel? Eine Razzia und ein gescheitertes Verfahren ermöglichen tiefe Einblicke in eine Branche unter Verdacht. mehr
SEBASTIAN LEBER 24.11. 2018

BZ Berlin

Anklage gegen Artemis-Betreiber zurückgewiesen

Zweieinhalb Jahre nach der Razzia im Bordell Artemis in Halensee und anschließender Ermittlungen hat das Landgericht Berlin am Dienstag die Anklage der Staatsanwaltschaft gegen die Betreiber zurückgewiesen. Von den Vorwürfen wie etwa Zuhälterei und Beihilfe zum Menschenhandel war offenbar nichts mehr haltbar….mehr
21.11.2018

Die Staatsanwaltschaft erhebt zwei Jahre nach der großen Razzia Anklage – aber nicht wegen Zwangsprostitution, Menschenhandel oder organisierter Kriminalität…mehr
24. Juli 2018 Axel Lier

Rbb24

Nach Großrazzia in Berliner Bordell
Gericht weist Anklage gegen Artemis-Betreiber ab… mehr
Sendung: rbb24, 21.11.2018, 13 Uhr

18. April 2018 – Razzia im Artemis

Wir warnen vor Vorverurteilungen. Wir warnen davor, Klischees in einen negativen Kontext zu setzen. Wir raten zu Geduld und gegen einen Medienhype und vor allem gegen eine Gesamtverurteilung der Branche. Nach wie vor gilt: die meisten Sexarbeiter*innen gehen in Deutschland freiwillig der Prostitution nach und Bordelle setzen sich für gute Bedingungen ein, wo sie den Kunden einen guten Service in einer sicheren Umgebung bieten können.
Taz 18.04.2018
DAS INTERVIEW FÜHRTE
PATRICIA HECHT
Aktivistin über Zwangsprostitution
„Razzien diskreditieren die Branche“
Der große Einsatz der Polizei macht die Aktivistin Stephanie Klee sehr stutzig. Prostitution sollte man wie behandeln wie andere Berufe auch, sagt sie.

Prostitutes from Costa Rica who identify themselves as Julie, 23, left, Tamara, 24, center, and Angie, 22, talk with potential clients, not seen, from their rented room on a street called in Spanish „La Linea,“ or „The Strip,“ where dozens of women work as prostitutes in Guatemala City, Friday, May 25, 2007. (AP Photo/Alexandre Meneghini)

taz: Frau Klee, die Razzia der Bundespolizei hat sich gegen Menschenhandel, Zwangsprostitution und Ausbeutung gerichtet. Ist sie ein Erfolg?

Bildnummer: 59546196 Datum: 21.04.2013 Copyright: imago/Horst Galuschka
Die Prostituierte Stephanie Klee arbeitet seit über 30 Jahren selbst in der Branche und kämpft fast ebenso lange öffentlich für die Rechte von Prostituierten und gegen deren Diskriminierung. Derzeit engagiert sie sich bei der Gründung einer deutschen Sexworker-Vereinigung, aufgenommen am 21.04.2013 in Köln. Entertainment People TV Porträt xsp x0x 2013 quer einzel Aktivistin Sexworker Prostituierte Stephanie Klee Porträt Portrait neutral einzeln
59546196 Date 21 04 2013 Copyright Imago Horst the Prostitute Stephanie Klee works since above 30 Years itself in the Industry and fights Almost as well Length public for the Rights from Prostitutes and against others Discrimination currently committed Them to at the Established a German Association Date at 21 04 2013 in Cologne Entertainment Celebrities TV Portrait xsp x0x 2013 horizontal Singles Activist Prostitute Stephanie Klee Portrait Portrait neutral single

Stephanie Klee: Das würde ich auf keinen Fall sagen. Noch liegen überhaupt keine Ergebnisse vor. Und bei einem so großen Polizeieinsatz stellt sich natürlich die Frage, ob das verhältnismäßig ist oder ob es eher darum geht, in der Öffentlichkeit ein Signal zu setzen: Prostitution ist durchsetzt von Kriminalität. Man muss deshalb abwarten und in den nächsten Wochen sehen, was von den Vorwürfen übrig bleibt…. mehr

Schlagwort: Artemis