20. 07. 2020: Brandbrief an die Politik

Öffnet die Bordelle – auch Sexarbeit braucht eine Perspektive

Der Staat und die politischen Entscheidungsträger haben wegen Covid19 alle Bordelle deuschlandweit Mitte März geschlossen. Während rundum das Leben langsam wieder erwacht, die Geschäfte, Restaurants, Hotels öffnen und trotz kleiner Kundenzahl ein Überleben möglich erscheinen lässt, bleibt die Politik in Sachen Sexarbeit still. Selbst Frisöre, Kosmetik, Massagen, Kontaktsport – also körpernahe Dienstleistungen und ähnliches – sind wieder erlaubt. Auch in Schwimmbädern, Fitness- und Tanzstudios ist ein Mindestabstand nicht mehr einzuhalten, in Saunen können wieder Aufgüsse genossen werden und Veranstaltungen in geschlossenen Räumen dürfen mit bis zu 300 Personen stattfinden. Selbst Swingerclubs sind wieder am Start. Doch die Prostitutionsstätten bleiben zu.

Wir wenden uns erneut an die Bundes- und Landespolitiker und fordern:

  • Stellen Sie sich den Realitäten!
  • Bordelle bieten Schutz und gute Arbeitsbedingungen!
  • Halten Sie uns nicht für dümmer als andere Selbstständigen und Gewerbetreibenden!
  • Achten Sie unsere Rechte!
  • Verspielen Sie nicht unseren Respekt und den, den wir vor dem Staat haben sollten!

Vollständigen Brief lesen: Brief an die Politik 20. 07.2020

 

Internationaler Hurentag – 2. Juni

1975 hatten in Lyon/Frankreich Sexarbeiter*innen die Kirche Saint Nizier für mehrere Tage besetzt. Vorausgegangen waren vermehrte Razzien der Polizei mit Bußgeldern, weil Sexarbeiter*innen auf der Straße auf ihre Kunden warteten. Dagegen wurden sie nach 2 Morden an Sexarbeiter*innen nicht aktiv.

Andere Sexarbeiter*innen solidarisierten sich und besetzten Kirchen in anderen französischen Städten. Sie forderten mehr Schutz, bessere Arbeitsbedingungen und Rechte. Die Politiker*innen weigerte sich, sie anzuhören oder mit ihnen in den Dialog zu treten und ließen stattdessen nach wenigen Tagen die  Kirchen räumen.

 

Seitdem wird am 2. Juni weltweit der Hurentag gefeiert. In Demos und Aktionen wird auf die rechtliche und gesellschaftliche Diskriminierung von Sexarbeiter*innen hingewiesen, aber auch fröhlich und ausgelassen gefeiert.

Aktionen am 02. Juni 2020

Aktion am 02. Juni 2019 

Aktion am 02. Juni 2017

02. Juni = Internationaler Hurentag

02. Juni = Internationaler Hurentag

Aktionen von Sexarbeiter*innen und den beiden Verbände besd + BSD:
Berlin: 13 Uhr Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor
Freiburg: 11-14 Uhr vor dem Apartment 6,
Schwabentorring 6
Nürnberg: 12-19 Uhr Kunst im Hauptbahnhof
Bremerhaven: 16 Uhr Lessingstr.

1975 hatten in Lyon/Frankreich Sexarbeiter*innen die Kirche Saint Nizier für mehrere Tage besetzt. Vorausgegangen waren vermehrte Razzien der Polizei mit Bußgeldern, weil Sex-arbeiter*innen auf der Straße auf ihre Kunden warteten. Dagegen wurden sie nach 2 Morden an Sexarbeiter*innen nicht aktiv.
Andere Sexarbeiter*innen solidarisierten sich und besetzten Kirchen in anderen französischen Städten. Sie forderten mehr Schutz, bessere Arbeitsbedingungen und Rechte. Die Politiker*innen weigerte sich, sie anzuhören oder mit ihnen in den Dialog zu treten und ließen stattdessen nach wenigen Tagen die  Kirchen räumen.

Heute gehen wir erneut in die Öffentlichkeit und demonstrierten gegen die nach wie vor bestehenden rechtlichen und gesellschaftlichen Diskriminierungen.

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Sexkaufverbot – eine Position, die die Rechte und den Schutz von Sexarbeiter*innen mißachtet –

Sexkaufverbot – eine Position, die die Rechte und den Schutz von Sexarbeiter*innen mißachtet –

05. 05. 2020 – Offener Brief: Antwort an Frau Sandra Norak und Frau Dr. Ingeborg Kraus auf deren Schreiben vom 15. 04. 2020 “Forderung nach Leitlinien zum einheitlichen Vorgehen bezüglich Prostitution angesichts der Corona-Epidemie in Deutschland“

Sehr geehrte Frau Norak, sehr geehrte Frau Dr. Kraus,

Ihr obiges Schreiben hat uns nicht wirklich erstaunt, denn es entspricht der bereits von Huschke Mau vor Jahren praktizierten Methode, Sexarbeiter*innen, Aktivist*innen und ihre Verbände nicht direkt anzusprechen, nicht den direkten Dialog zu führen, sondern zu versuchen, diese in öffentlichen Schreiben zu diskreditieren, sie für sinnige und unsinnige gesellschaftliche Umstände und Missstände generell verantwortlich zu machen und sie quasi hinterrücks anzugreifen.

Ich[1] hätte mir tatsächlich ein Gespräch, ein Treffen oder irgendeinen Dialog gewünscht. Aber offensichtlich wollen Sie das nicht, weil sie glauben, mich zu kennen, ohne mich je kennen gelernt zu haben.[2]

Diese arrogante, herablassende, unwürdige Art kann ich nur ablehnen. Mit Sicherheit bin ich schon länger im „Geschäft“ als Sie und verfüge ohne Zweifel über mehr Erfahrungen und Knowhow. Alle Sexarbeiter*innen[3] kann man nicht über einen Kamm scheren, wie auch nicht alle BordellbetreiberInnen und alle Kund*innen. Aber klar: für Sie ist hier eine Schwarz-Weiß-Malerei einfacher, um Ihr Ziel, die Einführung eines Sexkaufverbots, durchzusetzen.
Ich kenne die verschiedensten Bordelle in Deutschland von unzähligen Besuchen, habe viele Seminare für Sexarbeiter*innen, Kunden und BordellbetreiberInnen durchgeführt, wozu auch die profiS-Professionalisierungs-Workshops gehören. Dazu zählen auch Besuche für Auditierungen, die als Grundlage für das BSD-Gütesiegel dienen.

Auch wenn Sie das immer wieder behaupten, so wird es damit doch nicht wahrer:

  • nicht alle Sexarbeiter*innen sind Opfer,
  • nicht alle BordellbetreiberInnen sind Ausbeuter oder Kriminelle und
  • nicht alle KundInnen sind Täter.

Im Gegenteil: (mehr …)

03. 03. 2020, 12-13 Uhr – KUNDGEBUNG anlässlich des INTERNATIONALEN TAGES FÜR DIE RECHTE VON SEXARBEITENDEN*

Die Politik nimmt Stellung!
3. MÄRZ, 12-13 UHR – BRANDENBURGER TOR, PARISER PLATZ

KUNDGEBUNG anlässlich des INTERNATIONALEN TAGES FÜR DIE RECHTE VON SEXARBEITENDEN*

Gute Arbeitsbedingungen, Selbstbestimmung, Respekt und Solidität

Seit der Einführung des ProstituiertenSchutzGesetzes (ProstSchG) 2017 verschärft sich die gesellschaftliche Debatte um käuflichen Sex und den Umgang mit Sexarbeitenden. Den Grundgedanken, dass Kontrolle und
Zwangsberatungen Sexarbeiter*innen vor Gewalt und Ausbeutung schützen, teilen wir nicht.

 

Die jetzige Umsetzung des Gesetzes trägt nicht zu besseren Arbeitsbedingungen und zur Gleichstellung von Sexarbeit mit anderen Berufen bei und es gefährdet kleine, selbstverwaltete Bordelle mit guten Arbeitsbedingungen.

Wir fordern daher das, was wir auch für alle anderen Berufsstände einfordern: Gute Arbeitsbedingungen, Selbstbestimmung, Respekt und Solidarität. (mehr …)

Schlagwort: Rechte